12.01.2026

Ein gemeinsamer Spirit: Wenn Steuerberatung zur Familiensache wird

Immer wieder wächst eine Steuerring-Beratungsstelle zum Family Business heran. Nämlich dann, wenn Sohn, Tochter oder Ehepartner miteinsteigen. Das passiert gar nicht selten. Vielleicht liegt es daran, dass der Steuerring sich selbst als große Familie versteht. Zu Besuch bei den Webers und den Kulbeiks – wo aus der Steuerberatung eine gemeinsame Familienaufgabe geworden ist.

Steuerring-Beraterin Sinja Weber (rechts) mit ihrer Mutter und Mitarbeiterin Uta Loidold (links)

Als Sinja Weber 2023 offiziell die Beratungsstelle in Feuchtwangen von ihrer Mutter Uta Loidold übernahm, war das kein großer Akt: „Ich bin vom kleinen ins große Büro umgezogen, meine Mutter vom großen ins kleine“, erzählt die Tochter lachend. Mit dem Bürotausch war auch der Rollentausch besiegelt.

Seitdem führt die 40 Jahre alte Tochter die Beratungsstelle mit etwas mehr als 1.000 Mitgliedern, die Mutter hilft weiter mit. Vor der Übernahme hatte Sinja Weber bereits fast fünf Jahre lang an der Seite der Mutter gearbeitet und Erfahrung gesammelt. Als der Generationenwechsel stattfand, konnte das fließender kaum gehen.

Seite an Seite – so arbeitet auch Familie Kulbeik rund 750 Kilometer weiter nördlich. Bei Manfred Kulbeik, der zwei Beratungsstellen in Flensburg und Glücksburg leitet, die mit insgesamt rund 4.000 Mitgliedern und zehn Mitarbeitern zu den größten Beratungsstellen im Verein zählen, arbeiten gleich zwei Familienmitglieder mit: Ehefrau und Sohn. Für Manfred Kulbeik ist es eine „glückliche Fügung“, dass sein Sohn Stefan Interesse am Job des Vaters gefunden hat; der 33-Jährige arbeitet seit 2021 als Berater mit. Manfred Kulbeiks Ehefrau Dörte Kulbeik unterstützt seit Anbeginn in der gesamten Büroorganisation.

Bei Steuern und Familie gilt: Vertrauen ist die Basis

Ein „gemeinsamer Spirit“ sei das, was die Familie eine, aber auch, was charakteristisch für den Steuerring sei, meint Manfred Kulbeik. „Man zieht an einem Strang, hat eine ähnliche Art zu arbeiten und jeder bringt sich voll ein“, beschreibt er das gemeinsame Arbeiten mit Sohn und Ehefrau. Diesen Geist spürt er auch beim Steuerring: „Wir sprechen hier alle miteinander, es gibt viele persönliche Bindungen, man unterstützt sich gegenseitig und wir denken alle in eine Richtung“, sagt Kulbeik, der sich im Verein schon vielfach über die steuerliche Beratung hinaus engagiert hat, etwa als Mitglied des Aufsichtsrates, davon 5 Jahre als Vorsitzender und in verschiedenen Vereinsprojekten.

Manfred Kulbeik
 
Man zieht an einem Strang, hat eine ähnliche Art zu arbeiten und jeder bringt sich voll ein.“

Das größte Plus beim Arbeiten im Family Business aber sei das Vertrauen, was in der Verbindung stecke und was essentiell sei für die Arbeit im Steuerring, da sind sich Sinja Weber und Manfred Kulbeik einig. Denn Steuern sind nicht einfach ein nüchternes Zahlenwerk, sondern haben ganz viel mit Menschen zu tun: Die Mitglieder legen ihre Einkommensverhältnisse offen und gewähren den Beratenden Einblick in ihre persönliche Lebenssituation. „Hinter jeder Steuererklärung steht ein Mensch oder eine ganze Familie“, sagt Manfred Kulbeik. Die Arbeit zwischen Mitglied und Berater basiert auf Vertrauen, aber eben auch zwischen den Mitarbeitern in der Beratungsstelle. Mutter und Tochter, Vater, Sohn und Ehefrau wissen, dass sie sich aufeinander und auf ihre Mitarbeiter verlassen können und alle das Beste für die Mitglieder herausholen.

Schließlich schätzen auch die Mitglieder den Steuerring als Family Business. „Sie sind ja die Tochter!“, hört Sinja Weber oft, wenn Mitglieder nun sie auf dem Chef-Posten in der Beratungsstelle antreffen. „Da ist dann gleich ein großes Vertrauen da“, erklärt Weber. 

Mutter und Tochter - ein eingespieltes Duo

Sinja Weber erinnert sich noch gut daran, als der Steuerring 2005 bei ihnen zuhause einzog. Damals hatte sich die Mutter, die zuvor in einem Steuerbüro gearbeitet hatte, selbstständig gemacht und arbeitete anfangs in den eigenen vier Wänden. Die Mitglieder kamen zur Beratung nach Hause und spazierten zur Haustür herein – für Sinja Weber, die damals noch zuhause wohnte, war das ganz normal. Sie selbst absolvierte nach der Schule eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten und setzte noch eine Augenoptikerlehre samt Meistertitel drauf. Als dann die Kinder kamen, besann sie sich wieder auf das Steuergeschäft und begann, der Mutter stundenweise auszuhelfen. Diese hatte das inzwischen gewachsene Büro nach Feuchtwangen ausgegliedert.

„Während der Familiengründung war das ideal für mich“, sagt Sinja Weber rückblickend. So sei sie nach und nach reingewachsen ins Geschäft, bis sich immer klarer abzeichnete, dass sie die Beratungsstelle übernehmen wollte. Sie schätzt besonders, dass sie auf der beruflichen Erfahrung der Mutter aufbauen konnte und diese bis heute als Ratgeberin immer im Hintergrund weiß. „Mich hat es gut getroffen: Ich habe eine etablierte Beratungsstelle übernommen, die knapp 1.000 Mitglieder zählte.“ Die Phase des Aufbaus konnte sie überspringen.

Sinja Weber (rechts) mit ihrer Mutter Uta Loidold

Anfangs haben Mutter und Tochter die Beratungen gemeinsam gemacht. „Viele Mitglieder kommen seit Jahren zu uns, so habe ich ihre Geschichte kennengelernt und sie mich“, erzählt Sinja Weber. „Wir sind uns sehr ähnlich und haben eine ähnliche Arbeitsweise“, beschreibt Weber die Zusammenarbeit mit der Mutter. Eine scharfe Trennung zwischen Beruf und Privat gebe es nicht, „wir reden auch in der Arbeit mal über Privates“, sagt Weber. Aber Emotionales bleibt außen vor, da sind beide Frauen Vollprofis: „Wenn es mal Streit gibt, hat das in der Arbeit keinen Platz, das klären wir außerhalb“, sagt Weber. Aber oft komme das eh nicht vor, meint sie. Eher sind beide ein eingespieltes Duo: Morgens holt die Tochter die Mutter zuhause ab und sie fahren gemeinsam ins Büro nach Feuchtwangen, abends geht es wieder Retour. Sinja Weber führt fort, was die Mutter aufgebaut hat, bringt aber auch eigene, neue Ideen ein. So hat sie zum Beispiel die Digitalisierung des Büros vorangetrieben.

Wenn zwei gleich ticken, braucht es keine Regeln 

Die Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Family Business ist, dass man sich privat gut versteht, meint Manfred Kulbeik, „sonst klappt es nicht.“ Der gelernte Steuerfachangestellte hatte sich als junger Mann zunächst bei der Bundeswehr zum Berufssoldaten verpflichtet, bevor er Steuererklärungen zu seiner Expertise machte. Er begann schon 1984 nebenberuflich in einer kleinen Beratungsstelle des Steuerrings in Rensburg zu arbeiten und übernahm diese später. Es folgte ein Umzug, Manfred Kulbeik baute eine Beratungsstelle in Flensburg auf, 2018 kam noch eine in Glücksburg dazu. „Meine Frau ist meinen beruflichen Lebensweg mitgegangen“, sagt der Steuerexperte. Frau Kulbeik stand die gesamte Zeit an seiner Seite und begleitete den organisatorischen Ablauf des Büros. Schließlich konnte sich auch der jüngere der beiden gemeinsamen Söhne für das Steuergeschäft begeistern und machte wie der Vater eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten, studierte noch BWL und stieg in die Beratungsstelle in Flensburg mit ein. Wie bei den Webers in Feuchtwangen lief auch hier der Einstieg fließend, denn Stefan Kulbeik hatte schon als Student beim Vater mitgearbeitet.

Ob sich Vater und Sohn Regeln für den gemeinsamen Büroalltag gegeben haben? „Nein“, meint Kulbeik entschieden. Man ticke ähnlich, da brauche es nicht viele Worte. Mittags, wenn er mit dem Sohn zum Essen gehe und dieser ein berufliches Gespräch beginne, bremse er ihn schon mal und mahne, „jetzt wird gegessen.“ 

Manfred Kulbeik (links) mit seiner Frau Dörte sowie seinem Sohn Stefan

Der Steuerring ist die Über-Familie

Beim Aufbau eines Family Business ist keiner allein – so wie das halt in großen Familien ist. Der Steuerring, der 1969 gegründet wurde und zu Deutschlands ältesten und größten Lohnsteuerhilfevereinen gehört, ist quasi die Über-Familie. Der Steuerring habe ihre Nachfolge immer unterstützt, sagt Sinja Weber. Sie selbst habe Schulungen vor der Büroübernahme besucht und sei dadurch in Kontakt mit anderen Beratenden gekommen. So hat sich nach und nach ein berufliches Netzwerk gesponnen. Sie schätzt das „offene Ohr“ beim Bereichsleiter und bei der steuerfachlichen Abteilung, wenn es Fragen gibt. Es sei ein großes Miteinander im Verein. „Man spürt schon, dass es hier sehr familiär und mit Herz zugeht“, meint Weber. Schließlich profitiert auch der Steuerring vom Family Business: die Nachwuchssuche für eine Beratungsstelle bleibt erspart und die Übergabe funktioniert nahtlos.

„Ich stehe zu dem, was wir hier tun“, sagt Manfred Kulbeik über den Steuerring: Arbeitnehmern eine erschwingliche steuerliche Beratung ermöglichen und zu einer Steuererklärung verhelfen, die sie selbst vielfach überfordern würde. Der Job biete zudem berufliche Perspektiven, bei den Kulbeiks inzwischen auch für eine zweite Generation. Nicht zuletzt arbeite man in einem menschlichen Umfeld, „sonst hätte ich meinem Sohn nicht dazu geraten.“ 

Für die Zukunft wünscht sich Manfred Kulbeik, dass sein Sohn Stefan die Beratungsstelle eines Tages übernimmt.  Darüber haben die beiden auch schon gesprochen, allerdings ist der Zeitpunkt noch offen. „Ich bin 66 Jahre alt und fühle mich fit“, sagt der Vater; der Sohn stecke noch in einer Weiterbildung zum Steuerberater, „ich kann ihm noch Zeit geben“. Auch Sinja Weber hat ihre Zukunftspläne gestrickt: Die Beratungsstelle soll weiterwachsen, die Steuerexpertin will noch mehr Mitglieder gewinnen. Und sie hat noch einen Wunsch: Dass ihre Mutter noch lange mit von der Partie ist, denn die Mutter gehört zum Steuerring und der Steuerring zur Familie. 

Über den Steuerring

Der Steuerring zählt mit rund 1.100 Beratungsstellen und etwa 400.000 Mitgliedern zu den größten Lohnsteuerhilfevereinen in Deutschland.

Wir suchen bundesweit Steuerfachleute, die sich im Bereich der Lohn- und Einkommensteuer mit einer eigenen Beratungsstelle selbstständig machen möchten.

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