Selbstständig oder angestellt? Das muss nicht immer eine Entweder-Oder-Entscheidung sein. Beim Steuerring kann man beides verbinden – festangestellt im Hauptberuf und selbstständig im Nebenberuf beim Lohnsteuerhilfeverein. Das Modell hat Vorteile: Es lässt sich flexibel an die Lebenssituation anpassen. Zwei Beispiele zeigen, wie es geht.

Karin Finneiß, Steuerring-Beratungsstellenleiterin aus Olching
Dietrich Zschocke, 63 Jahre, liebt sein zweites Standbein. Früher war er als gelernter Finanzwirt festangestellt bei einer Bank tätig und gleichzeitig nebenberuflich selbstständig als Berater beim Steuerring in Florstadt. Jetzt ist er Rentner, seinen Beratungsjob beim Steuerring hat er trotzdem behalten. Der Steuerring ist schon immer sein zweites Standbein: In der Festanstellung gab der Nebenjob ihm zusätzliche Sicherheit, falls mal die Kündigung auf dem Tisch landen würde, jetzt ermöglicht ihm der Steuerring, dass er als Rentner aktiv bleibt und sich über einen guten Zuverdienst freuen kann.
Bei der Steuerfachwirtin Karin Finneiß, 51 Jahre, war es das Bedürfnis, Familie und Job besser unter einen Hut zu bekommen, weshalb sie im Nebenberuf beim Steuerring anfing. Mit Geburt der Kinder fuhr sie ihren Hauptjob in einer Steuerkanzlei auf Teilzeit herunter und arbeitete zusätzlich nebenberuflich selbstständig von zu Hause aus als Beraterin beim Steuerring in Olching. So konnte sie mehr für die Kinder da sein. Das Job-Modell macht sie inzwischen seit mehr als 20 Jahren, auch wenn die Kinder längst groß sind. Heute jongliert sie täglich Haupt- und Nebenberuf aus dem Home-Office und schätzt die Sicherheit der Festanstellung auf der einen und die Flexibilität ihres Nebenberufs auf der anderen Seite. „Ich kann das Modell uneingeschränkt empfehlen.“
Nebenberuflich selbstständig: Mehr Sicherheit, mehr Verdienst, mehr Zeit
Es sind zwei Lebensentwürfe, die das Potenzial aufzeigen, das in einer nebenberuflichen Selbstständigkeit beim Steuerring steckt: Der Job lässt sich je nach Lebenssituation flexibel anpassen. Karin Finneiß etwa hat jeweils in der Elternzeit ihren Arbeitsumfang beim Steuerring reduziert und danach wieder gesteigert, ohne dass sie komplett aus dem Job aussteigen musste. Zusätzlich ist es für sie attraktiv, dass sie es selbst in der Hand hat, ihren Verdienst zu steigern, indem sie einfach mehr Mitglieder aufnimmt.
Mehr Sicherheit, zusätzliche Verdienstmöglichkeiten, Zeit für die Familie oder die Pflege von Angehörigen – es gibt viele Bedürfnisse, bei denen eine nebenberufliche Selbstständigkeit beim Steuerring die Antwort sein kann.
Tatsächlich starten die meisten Beraterinnen und Berater im Steuerring ihre Selbstständigkeit aus einer sicheren Festanstellung heraus. So haben sie weniger Erfolgsdruck, können nach und nach einen Mitgliederstamm aufbauen, ausprobieren, wie sie mit dem Arbeitsmodell zurechtkommen und dann den Nebenberuf immer mehr zum Hauptberuf ausbauen. Oder sie fahren dauerhaft zweigleisig und die Selbstständigkeit bleibt eine nebenberufliche Tätigkeit. Wie auch immer es ausgeht – jeder hat dafür gute Gründe.
Der Arbeitgeber muss zustimmen
Dietrich Zschocke war 49 Jahre alt, als er seine Festanstellung verlor. Plötzlich stand er ohne Einkommen da. An die 100 Bewerbungen hat er geschrieben, ein überzeugendes Angebot eines Arbeitsgebers kam nicht bei ihm an. Da er schon immer mit einer Selbstständigkeit „geliebäugelt“ hatte, wie er erzählt, begann er beim Steuerring als Berater. Kaum war er neun Monate tätig, erhielt er ein verlockendes Angebot für eine Festanstellung bei einer Bank. „Das musste ich annehmen.“ So wurde seine Beratertätigkeit beim Steuerring kurzerhand zum Nebenjob, aufgeben wollte er sie keinesfalls. Er hatte es schon mal erlebt wie es ist, seinen Job zu verlieren, das wollte er nicht nochmal erfahren.
Wer einen Nebenberuf aufnimmt, muss das mit seinem Arbeitgeber unbedingt absprechen, betonen Dietrich Zschocke und Karin Finneiß. Der Arbeitgeber muss zustimmen und es muss gesichert sein, dass der Nebenjob nicht überhandnimmt und zu Lasten des Hauptberufs geht. Eine festgeschriebene Stundenzahl für einen Nebenjob gibt es nicht, sagen beide. Zschocke gab bei seinem Arbeitgeber anfangs an, vier bis acht Stunden pro Woche als Berater beim Steuerring zu arbeiten, damit war die Personalabteilung der Bank zufrieden. Bei Finneiß gibt es keine feste Stundenregelung, „Hauptsache ich erledige meine Arbeit für die Kanzlei“ – wie lange sie dafür braucht, ist nicht entscheidend.
Selbstständig und festangestellt – auch die Krankenkasse muss mit ins Boot
Auch wenn es ein Arbeitgeber nicht so genau nimmt mit dem Stundenumfang, sollte man seine Einnahmen im Blick haben, rät Karin Finneiß. Damit für den Nebenberuf nicht auch noch Sozialversicherungsbeiträge anfallen, muss sich der Verdienst in Grenzen halten. „Das sollte man unbedingt mit seiner Krankenkasse klären“, rät Karin Finneiß. Denn neben dem Arbeitgeber muss auch die Krankenkasse den Nebenberuf anerkennen. Wachsen zum Beispiel plötzlich beim Steuerring die Einnahmen, weil man mehr Mitglieder gewinnt, und übersteigen die Einnahmen aus der Festanstellung, wird das Auswirkungen auf die Sozialversicherungsbeiträge haben.
Wer zweigleisig fährt, braucht gutes Zeitmanagement
Wie viele Stunden man im Nebenjob im Steuerring arbeitet, hängt nicht nur davon ob, was man darf, sondern auch, was man schafft. Dietrich Zschocke hat anfangs einmal pro Woche abends und am Samstagvormittag gearbeitet und zu diesen Zeiten auch Mitglieder empfangen. Die unkonventionellen Uhrzeiten waren eher ein Vorteil, denn auch die Mitglieder erledigen ja wochentags einen Job. Im ersten Jahr seiner nebenberuflichen Selbstständigkeit landete dann die ganze Dynamik des Steuerwesens auf seinem Schreibtisch: „Zum Jahreswechsel hatte ich plötzlich richtig viel zu tun“, die Steuererklärungen stauten sich. Das ebbte in der zweiten Jahreshälfte schließlich wieder ab. „Man braucht ein gutes Zeitmanagement und muss priorisieren können“, lautet sein Fazit. Er stellte fest, dass mehr als 70 Mitglieder nicht zu bewältigen waren im Nebenjob. Seit Sommer ist er Rentner und arbeitet noch zwei bis drei Stunden täglich. So kann er bis zu 250 Mitglieder beraten, schätzt er.

Dietrich Zschocke, Steuerring-Berater aus Florstadt
Auch Karin Finneiß hat ihre nebenberufliche Selbstständigkeit langsam aufgebaut und immer wieder angeglichen. „Anfangs hatte ich ein Mitglied, dann zehn, dann habe ich Stopp gesagt.“ Mit größer werdenden Kindern gab es wieder mehr Luft, zu arbeiten. Dann verteilte sie mal wieder Wurfzettel in Briefkästen, nahm an einem Marktsonntag in ihrem Ort teil und präsentierte sich als Steuerring-Beraterin, dadurch steigerte sie ihre Mitglieder auf 50. „Das war dann wieder genug“. So macht sie das bis heute, inzwischen betreut sie 300 Mitglieder.
Der Steuerring begleitet beim Schritt in die Selbstständigkeit
Wer den Schritt in die nebenberufliche Selbstständigkeit beim Steuerring macht, wird an die Hand genommen, erzählt Dietrich Zschocke: „Der Verein hat alles organisiert.“ Der Steuerring bietet ein umfangreiches Onboarding. Dazu gehört die Antragstellung bei der Oberfinanzdirektion für die Zulassung als Berater oder Beraterin, es gibt Informationen zur Gewerbeanmeldung sowie zu Steuern, die für die nebenberufliche Tätigkeit anfallen, auch bei der Installation der Software wird man nicht allein gelassen. Für Nebenberufler besonders attraktiv ist, dass die kostenlosen Weiterbildungen des vereinsinternen Schulungswerks TeLios, die sowohl in präsenz an wechselnden Orten in Deutschland als auch online stattfinden, auch am Wochenende angeboten werden, berichtet Dietrich Zschocke.
Der Steuerring übernimmt den Verwaltungsapparat
Ist der Start vollbracht, ist die Beratertätigkeit dann sozusagen „Selbstständigkeit light“. Denn alles, was bei einer üblichen Selbstständigkeit eher lästige Vorgänge sind, übernimmt der Lohnsteuerhilfeverein: Er kassiert die Mitgliedsbeiträge, kümmert sich um die Rechnungsstellung an die Mitglieder, wickelt eventuell nötige Inkassoverfahren ab. „Ich rechne nur mit dem Steuerring ab und habe oft am nächsten Tag das Geld auf dem Konto“, sagt Finneiß. Der ganze Verwaltungsapparat einer üblichen Selbstständigkeit falle weg.

„Ich rechne nur mit dem Steuerring ab und habe oft am nächsten Tag das Geld auf dem Konto.“
Damit erübrigen sich auch hohe Investitionen, die üblicherweise am Anfang einer Selbstständigkeit stehen. Ein Arbeitsraum, einen PC oder Laptop, einen Schreibtisch und vielleicht einen Aktenschrank, mehr braucht man nicht, um Berater zu werden, zählt Dietrich Zschocke auf. „Für eine Grundausstattung fielen bei mir etwa 1.500 Euro Eigenkapital an“, schätzt er. Anfangs hat er aus dem ehemaligen Kinderzimmer ein Büro gemacht und dort Mitglieder empfangen. Das erwies sich auf Dauer als ungünstig, weil Besucher dann immer durchs ganze Haus mussten. Inzwischen hat er sich einen Raum im Keller ausgebaut.
Maximale Flexibilität, Zuverdienst, zweites Standbein – eine nebenberufliche Selbstständigkeit als Beraterin oder Berater beim Steuerring bietet viele Vorteile. Hinzu kommt noch ein schöner Nebeneffekt: Man hat mit Menschen und ihren Geschichten zu tun. Über all die Jahre hat Dietrich Zschocke zu einigen Mitgliedern ein „persönliches Verhältnis “ aufgebaut, sagt er. „Ich komme auf diese Weise mit Leuten zusammen die ich sonst nicht kennenlernen würde.“ Die Beratertätigkeit hat für ihn auch eine sehr menschliche Seite. „Ich kann anderen zur Seite stehen und sinnvoll helfen. Das macht viel Freude.“
Über den Steuerring
Der Steuerring zählt mit rund 1.100 Beratungsstellen und etwa 400.000 Mitgliedern zu den größten Lohnsteuerhilfevereinen in Deutschland.
Wir suchen bundesweit Steuerfachleute, die sich im Bereich der Lohn- und Einkommensteuer mit einer eigenen Beratungsstelle selbstständig machen möchten.