Jung, flexibel und mobil? Dann ist eine Springer-Tätigkeit beim Steuerring der ideale Einstieg in die Welt der Lohnsteuerhilfe. Als mobile Einsatzkräfte packen Springer da an, wo Beratungsstellen landauf und landab Unterstützung brauchen. Mehr Netzwerk und Berufserfahrung gehen kaum. Zwei ehemalige Springer berichten.

Selçuk Yavuz, Steuerring-Berater in Waiblingen und Bereichsleiter für Baden-Württtemberg Nord
Die Welt anschauen, Leute kennenlernen, Erfahrung sammeln – diese drei Aspekte als Teil eines Jobprofils klangen für Leander Röhrig ungemein attraktiv. Er war 23 Jahre alt, hatte gerade die Ausbildung zum Steuerfachangestellten abgeschlossen und war auf Jobsuche. Wenig verlockend schien es ihm, in seinem erlernten Beruf auf Dauer als Angestellter im Büro eines Steuerberaters zu arbeiten. „Ich hatte immer schon im Hinterkopf, mir etwas Eigenes aufzubauen“. Da kam das Modell, als Springer beim Steuerring zu arbeiten, gerade recht. „Es klang rundherum interessant: viele Benefits, ich komme in Deutschland herum, sammle Lebens- und Berufserfahrung – da habe ich Ja gesagt.“
Sein „Ja“ liegt schon bald drei Jahre zurück, seit Januar arbeitet Leander Röhrig in der Beratungsstelle in Sankt Augustin bei Bonn, die er perspektivisch mit gerade mal 26 Jahren leiten wird.

„Es klang rundherum interessant: viele Benefits, ich komme in Deutschland herum, sammle Lebens- und Berufserfahrung – da habe ich Ja gesagt.“
Erst zwei Jahre Springer, dann selbstständig
„Steuerfachangestellter (m/w/d) in Springerfunktion, in Vollzeit für verschiedene Beratungsstellen“ – so klingt eine Stellenanzeige beim Steuerring für die mobilen Einsatzkräfte. Springer sind entweder bundesweit im Einsatz, wie es in der Stellenanzeige formuliert ist, oder regional, etwa nur in einem bestimmten Bundesland. Die Einsätze dauern mal zwei Wochen oder auch sechs Monate, alles ist möglich. Insgesamt ist die Springertätigkeit auf zwei Jahre befristet, danach machen sich die meisten selbstständig und gründen oder übernehmen eine eigene Beratungsstelle.
Die Springertätigkeit ist vor allem für junge Leute attraktiv, die gelernte Steuerfachangestellte oder Finanzwirte sind, aber noch nicht die dreijährige Berufserfahrung im Bereich der Lohn- und Einkommenssteuer mit 16 Wochenstunden nachweisen können, um als selbstständiger Berater beim Steuerring zu arbeiten. Genau so ging es Selcuk Yavuz. Er hatte gerade seine Ausbildung zum Bürokaufmann mit Schwerpunkt Steuern absolviert und tat sich schwer, einen Job zu finden. Für eine Tätigkeit im Bereich Steuern fehlte ihm fundiertes Wissen, für eine Tätigkeit als Bürokaufmann brachte er wiederum zu viel Steuerwissen mit.
Mutig, wie er heute rückblickend sagt, bewarb er sich auf eine Stelle beim Steuerring, ohne die Voraussetzungen zu erfüllen. Einen Tag später hatte er einen Termin beim zuständigen Bereichsleiter. Gemeinsam loteten sie die Optionen aus. Es lief auf eine Tätigkeit als Springer hinaus. So könnte Selcuk Yavuz die nötige Berufserfahrung sammeln, um sich dann als Berater selbständig zu machen. „Als ich 2012 als Springer anfing, kannte ich bereits die Perspektive: Wenn ich alle Voraussetzungen erfülle, könnte ich danach eine eigene Beratungsstelle leiten“.
München, Berlin, Hamburg, Sankt Augustin, Lörrach: Springer lernen Deutschland kennen
Wohin verschlägt es einen? In die ruhige, kleine Ortschaft oder die pulsierende Großstadt? Es ist immer eine Überraschung, wo die Springer zum Einsatz kommen. Selcuk Yavuzs Einsätze waren auf Baden-Württemberg begrenzt, hier wohnte er in Lorch bei Stuttgart bei den Eltern. Gleich sein erster Einsatz brachte ihn ins rund 280 Kilometer entfernte Lörrach ins Dreiländereck, wo er fast sieben Monate blieb. Er verstand sich auf Anhieb mit der damaligen Beratungsstellenleiterin und wohnte in einer Einliegerwohnung in deren Haus. „Es war eine tolle Zeit und eine tolle Erfahrung“, sagt er. Im Dreiländereck seien viele Angestellte „Grenzgänger“: Sie arbeiten in der benachbarten Schweiz, leben aber in Baden-Württemberg. Das bringe Besonderheiten mit sich in Sachen Steuern. So eignete er sich gleich bei seinem ersten Einsatz steuerliches Spezialwissen an. Seine weiteren Einsätze – in Summe waren es fünf während seiner Zeit als Springer – waren nur 50 oder auch mal 60 Kilometer von seinem Wohnort entfernt. Die pendelte er damals mit dem Auto.
Reisebereitschaft ist gefragt – Unterkunft, Auto, Tanken zahlt der Steuerring
Leander Röhrig wollte während seiner Springer-Tätigkeit deutschlandweit unterwegs sein. Seine Einsätze dauerten zwischen zwei Wochen und sechs Monaten; sie brachten ihn von seinem Wohnort Duisburg aus nach München, Berlin, Hamburg, Stuttgart, Darmstadt, Hannover und Sankt Augustin. Bei kurzen Einsätzen wohnte er im Hotel, blieb er länger, mietete er eine Ferienwohnung. „Da fühlte ich mich mehr zuhause und konnte mir auch selbst etwas kochen.“ Unterwegs war er im Firmenwagen mit Tankkarte, sämtliche Reise- und Unterbringungskosten übernahm der Steuerring. Alle zwei Wochen war eine Heimfahrt mit dem Steuerring vereinbart. Das Auto durfte er auch privat nutzen.

Leander Röhrig, ehemaliger Steuerring-Springer und angehender Beratungsstellenleiter
Reisebereitschaft muss man mitbringen, sagen beide ehemaligen Springer. Die Familie und die Freunde muss man mal zurücklassen können und sich seine Freizeit an einem fremden Ort selbst gestalten. Das ist eine Herausforderung und nicht immer einfach. „Wer im Fußballverein ist, wird dieses Hobby an einem neuen Ort kaum so spontan aufnehmen können. Ich mache Krafttraining, ein Fitness-Studio gibt es überall“, sagt Leander Röhrig. Sein Kollege Selcuk Yavuz hat die privaten Einschränkungen ebenso sportlich genommen: „Ich war jung und hatte ja ein Ziel vor Augen.“
Die Berufserfahrung ist „ein Riesenvorteil“
Dafür haben beide nach jedem Arbeitseinsatz wieder neue Erfahrung im Gepäck mitgenommen. „Jeder macht es anders“, ist Selcuk Yavuzs Erkenntnis. Er habe während seiner Springertätigkeit verschiedenste Beratungstechniken kennengelernt. Auch wenn es immer auf dasselbe Ziel hinausläuft – eine Lohnsteuererklärung anfertigen – gibt es viele Wege dorthin. „Ich habe die Vor- und Nachteile aller Arbeitsschritte kennengelernt und konnte so schon viel mitnehmen für meine eigene Beratungsstelle.“ Das hat auch Leander Röhrig so erlebt. Er hat sich eine Liste angelegt, um seine Erfahrungswerte zu dokumentieren. Wie wertvoll das war, hat er erst neulich wieder erfahren, als er einen Kollegen kennenlernte, dem er einen „effizienteren Weg“ zeigen konnte bei der Lösung eines Problems.
Neben der ganz praktischen Erfahrung bekommt man obendrein ein „großes Netzwerk an Kolleginnen und Kollegen, samt deren Unterstützungsangebot, wenn man mal darauf angewiesen ist“, sagt Leander Röhrig. Nicht zuletzt sei seine soziale Kompetenz in der Zeit gewachsen.
Offenheit und Flexibilität sind ein Muss
Damit die Springertätigkeit so erfolgreich wird, muss man auch etwas mitbringen: Offenheit, ein gutes Maß an Selbstvertrauen, lösungsorientiertes Arbeiten und vor allem, Flexibilität, sagt Leander Röhrig. Letzteres würde er „fünfmal unterstreichen“. Denn wo auch immer man eingesetzt wird, muss man sich auf ein neues Büro und ein neues Team einlassen. Obendrein muss man bereit sein, sofort einzusteigen und anzupacken. „Denn man wird ja gerade da eingesetzt, wo Beratungsstellen dringend Unterstützung benötigen“, erklärt Selcuk Yavuz.

Selçuk Yavuz hat im Steuerring Karriere gemacht – gestartet hat er als Springer.
Gut gelandet: Die erste eigene Beratungsstelle und noch viel mehr
Wie viel ihm die Springertätigkeit gebracht hat, hat Selcuk Yavuz erfahren, als er 2015 mit 26 Jahren in Festanstellung die Beratungsstelle in Waiblingen übernahm.
„Ich wusste, wie ich es angehen würde, ich konnte direkt professionell einsteigen, das war kein Sprung ins kalte Wasser.“ Er war zuerst viele Jahre angestellter Berater und startete dann 2021 in die Selbstständigkeit.
Selcuk Yavuz hat Karriere beim Steuerring gemacht. Seine Tätigkeit geht inzwischen weit über den Beraterjob hinaus. Seit 2021 ist er Dozent bei TeLios, dem vereinsinternen Schulungswerk. Zudem ist er Ansprechpartner im Steuerring für Anwendungsprobleme mit der Steuersoftware Fiskus, für diese schreibt er auch als Autor Schulungsmappen für Einsteiger. „Ich bin technikaffin und bringe gerne meine eigenen Ideen ein.“ Seit Jahresanfang gibt es noch eine berufliche Neuerung in seinem Leben: Er ist Bereichsleiter in Baden-Württemberg Nord und damit Ansprechpartner für mehrere Beratungsstellen in seinem Umkreis. Damit schließt sich ein Kreis: Er rückt jetzt für den Bereichsleiter nach, bei dem er damals sein erstes Einstellungsgespräch hatte und der ihm die Option der Springertätigkeit vorstellte.
„Ich bin perfekt aufgestellt“
Der eigene Chef sein – das ist auch Leander Röhrigs Weg. Seit Januar 2026 ist er in der Beratungsstelle in Sankt Augustin fest in die Arbeit eingebunden, in der er bereits zuvor als Springer eingesetzt war. Schritt für Schritt bereitet er sich dort auf die eigenverantwortliche Leitung vor. Noch fehlen ihm wenige Monate, um die gesetzlich vorgeschriebene Berufserfahrung nachzuweisen und die Beratungsstelle selbstständig zu führen. Bis dahin arbeitet er eng mit dem bisherigen Beratungsstellenleiter zusammen, der weiterhin die Verantwortung trägt.
Rückblickend sagt Leander Röhrig, dass sein Springerdasein für ihn der ideale Einstieg war. „Ich konnte erst mal mit dem Job auf Tuchfühlung gehen. Je länger ich arbeitete, desto klarer wurde mir, worin ich selbst beruflich und persönlich aufgehe.“ Er ist jedenfalls angekommen, nicht nur beruflich. Demnächst will er umziehen, in die Nähe von Sankt Augustin. Denn mit dem neuen Job will er keine Fernbeziehung führen.
Über den Steuerring
Der Steuerring zählt mit rund 1.100 Beratungsstellen und etwa 400.000 Mitgliedern zu den größten Lohnsteuerhilfevereinen in Deutschland.
Wir suchen bundesweit Steuerfachleute in Springerfunktion, die während einer zweijährigen Einsatzzeit flexibel in verschiedenen Beratungsstellen des Vereins unterstützen. Danach stehen Ihnen vielfältige Karriere-Möglichkeiten beim Steuerring offen.