Flexibel, lukrativ, individuell – das sind die Stärken einer Selbstständigkeit beim Steuerring. Berater und Beraterinnen, die den Job zum Hauptberuf gemacht haben, schätzen Karriereperspektiven, Gestaltungsfreiheit und selbstbestimmtes Arbeiten. Zwei Berater geben Einblick in ihre Karrieren und Tipps wie der Schritt in die Selbstständigkeit gelingt

Nadine Tulke, Steuerring-Beratungsstellenleiterin aus Berlin und Ludwigsfelde
Sich selbstständig machen, sein eigener Chef sein, aber im Hintergrund einen Verein zu wissen, der unterstützt und einen Rahmen vorgibt – das fand Steffen Branse aus Leipzig von Anfang an attraktiv an einer Tätigkeit beim Steuerring. Im Steuerrecht kannte er sich aus, das Wissen hatte er im Fernstudium erworben und so fing er an, erstmal nebenberuflich bei dem Verein als Berater zu arbeiten, um hineinzuwachsen in die Welt der Steuererklärungen. Weil er unter dem Dach des Lohnsteuerhilfevereins agierte, musste er nicht erst eine Steuerberaterprüfung ablegen, um sich selbstständig zu machen.
Mehr als 30 Jahre später, 2025, zählt seine Beratungsstelle in Leipzig mit zu den größten etablierten Büros im Steuerring, im November hat er die 2.000 Mitglieder-Marke geknackt. Längst arbeitet er nicht mehr alleine: Steffen Branse hat drei weitere Berater angestellt und eine Mitarbeiterin managt die Büroorganisation.
Mit Vollgas in die Selbstständigkeit
Eine hauptberufliche Selbstständigkeit im Steuerring kann langsam aus der nebenberuflichen Tätigkeit herauswachsen oder gleich mit Vollgas starten. So war es bei Nadine Tulke aus Berlin. Sie hat sich schon immer für Zahlen und Steuern interessiert, beruflich war sie aber in einer ganz anderen Branche unterwegs – als medizinische Fußpflegerin. Den Steuerring kannte sie, weil sie einst selbst Mitglied war. Als sie ihren früheren Berater wieder traf, suchte dieser gerade jemanden, der seine Beratungsstelle übernehmen würde. Nadine Tulke stieg ein, der damalige Berater wurde ihr Mentor. Da war sie gerade Mutter geworden, die Tochter kam einfach mit ins Büro, „sie war immer dabei“, erzählt Nadine Tulke. Nach einer intensiven Ausbildungsphase mit Seminaren beim Steuerring und ihrem Mentor an der Seite konnte sie ein Jahr später, 2010, die Beratungsstelle übernehmen. Inzwischen betreibt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Ralf und einer weiteren Mitarbeiterin noch ein zweites Büro in Ludwigsfelde. In Summe betreuen Nadine Tulke und ihr Team inzwischen 1.700 Mitglieder. „Ich habe meine Passion gefunden“, sagt sie über ihren Job, der offenkundig auch für Quereinsteiger eine Option ist.
Freie Zeiteinteilung ist oberste Priorität
Arbeiten wann und wie viel man möchte – für Nadine Tulke ist das der größte Pluspunkt an der Selbstständigkeit im Steuerring. Ihre Lebenssituation erfordert es, dass sie ihre Arbeitszeit nach Bedarf anpassen kann. „Wenn man sehr gut strukturiert ist, funktioniert das.“ Jeder im Team kennt sich in allen Prozessen aus und kann jederzeit für den anderen einspringen, das hat sich die Steuerexpertin bewusst so organisiert.
Auch Steffen Branse schätzt flexible Arbeitszeiten. Im Sommer war er vier Wochen lang mit dem Wohnmobil in Finnland unterwegs – in welchem Job geht das schon?, fragt er. Eine gute Büroorganisation macht es möglich und Steffen Branse hat seinen PC immer dabei, unterwegs kann er sich auf den Server einloggen und ist erreichbar, wenn nötig. Dafür arbeitet er im Alltag auch manchmal noch, wenn andere längst Feierabend machen. Dann geht er abends auf Veranstaltungen, um zu netzwerken und so im besten Fall künftige Mitglieder zu gewinnen. Der große Unterschied ist, dass ihn kein Chef auf solche Abendtermine schickt. Er macht das nur für sich, ganz selbstbestimmt.

Steffen Branse, Steuerring-Beratungsstellenleiter aus Leipzig
Karriereperspektive auf Wachstum ausgerichtet
Wie gut man von seinem Job als Berater oder Beraterin leben kann, hängt von den eigenen Ambitionen ab. Die Zahl der Mitglieder bestimmt das monatliche Einkommen. Steffen Branse hat den Kurs auf Wachstum ausgerichtet und wirbt ganz gezielt um neue Mitglieder. Für jedes Mitglied erstellt er eine Steuererklärung im Jahr, dabei liegt der Vergütungsanteil bei durchschnittlich 110 Euro netto pro Beratung. Hat man einen stabilen Mitgliederstamm mit hohem Einkommen, fällt auch mehr ab pro Steuererklärung, erklärt Steffen Branse. In seiner Beratungsstelle liegt der durchschnittliche Nettobetrag bei rund 165 Euro pro Steuererklärung. Etwa zehn Erklärungen schafft ein erfahrener Berater am Tag. Je länger man im Job ist, desto größer wird die Routine und mit ihr wiederum gewinnt man Freiheiten was Arbeitszeiteinteilung angeht.
Zusätzlich gibt es im Steuerring ein Bonussystem: Neue Berater können einen Wachstumsbonus erhalten, wer die kostenfreien Weiterbildungsseminare besucht, wird mit einem Schulungsbonus honoriert und Berater und Beraterinnen, die überdurchschnittlich viele Mitglieder betreuen, erhalten einen Leistungsbonus. „Das System funktioniert“, versichert Nadine Tulke.
Jeder strickt sich seine eigene Karriere
Eigentlich geht es immer um das gleiche: Mitglieder in Steuerfragen beraten und eine Einkommensteuererklärung erstellen. Und doch strickt sich jeder seine ganz individuelle Karriere daraus. Nadine Tulke etwa hat sich auf Steuerfragen von Bundeswehrsoldaten spezialisiert, insbesondere jener, die im Ausland stationiert sind. Außerdem ist sie Expertin in Sachen Vermietung und Verpachtung. Steffen Branse hat sich aktuell einen stabilen Mitgliederstamm an Piloten aufgebaut. Der Flughafen Leipzig Halle ist ein zentrales Luftfrachtkreuz und damit gibt es viele Piloten in Leipzig, die es schätzen, dass er sie auf Englisch beraten kann. „Man kann sich ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten“, sagt er.
Wenn sich eine Beratungsstelle erst mal etabliert hat, ist das Wachstum quasi ein Selbstläufer. „Gute Arbeit, Wissen und Erreichbarkeit sind essenziell und sprechen sich herum“, sagt Nadine Tulke. Mundpropaganda sei das wichtigste Marketing-Instrument. Wer möchte, kann zusätzlich Unterstützung der Marketing-Abteilung des Steuerrings in Anspruch nehmen, die berät, Werbung grafisch gestaltet und diese oftmals auch finanziert. Wie weit man seine Ziele steckt, ist jedem selbst überlassen. Mit einer Beratungsstelle gestaltet jeder seine Karriere eigenverantwortlich und bestimmt, welches Tempo er dabei vorlegen will.

„Gute Arbeit, Wissen und Erreichbarkeit sind essenziell und sprechen sich herum.“
Selbstständigkeit mit Netz und doppeltem Boden
Obwohl man im Steuerring eigenverantwortlich und selbstbestimmt arbeitet, so ist man doch nicht alleingelassen, hat Nadine Tulke erlebt. Als sie neu anfing, hat sie vom Verein ein Darlehen erhalten, um erst mal einen Mitgliederstamm aufbauen zu können, von dem sie gut leben konnte. Und als sie wegen Krankheit länger ausfiel, wurde ihr eine Abschlagszahlung gewährt. Ein Teil der Mitgliedsbeiträge fließt an den Steuerring, dafür hält der Verein einem den Rücken frei, erledigt die Abrechnung mit den Mitgliedern, übernimmt, falls nötig, auch ein Mahnverfahren.
Damit eine Beratungsstelle boomt, muss man sich einbringen. „Wer wachsen will, muss strukturiert sein, Ehrgeiz mitbringen und gut kommunizieren können“, rät Nadine Tulke. Für Steffen Branse gehört auch das Talent dazu, Mitarbeitende zu führen und anzuleiten. Nicht zuletzt sei ein selbstbewusstes Auftreten wichtig, denn man muss mit Menschen umgehen können – mit den unkomplizierten, mit denen man gleich auf einer Wellenlänge ist, aber auch mit denjenigen, die eine große Anspruchshaltung an den Tag legen. Er hat noch einen praktischen Tipp für effizientes Arbeiten: „Man sollte nicht vor der Nutzung digitaler Medien zurückschrecken“. Alles, was auf Papier stehe, koste Zeit und Geld. Als Dozent für die Steuersoftware im Steuerring weiß er, dass sich mit der Software alle Informationen gebündelt zu den Mitgliedern hinterlegen lassen. Umständliches Suchen in diversen Aktenordnern oder selbstgemachten Ordnerstrukturen auf dem PC gibt es nicht mehr für ihn.
„Einfach mal machen“
Wer als Berater oder Beraterin anfängt, muss nicht perfekt sein. Vieles kommt mit zunehmender Erfahrung, in die Beraterrolle wächst man hinein. Einsteigern gibt Steffen Branse mit auf den Weg, „einfach mal machen“, und nicht alle Risiken und möglichen Schieflagen prüfen. „Wenn es passt, ist es gut und wenn nicht, muss man etwas ändern.“
So wie er seine Selbstständigkeit aufgebaut hat, so wird er sie in etwa zwei Jahren wieder abbauen. Dann ist er im Rentenalter und will die Beratungsstelle übergeben. Selbst will er dann in geringerem Umfang weiterarbeiten und sich noch mehr seinem Wohnmobil widmen.
Über den Steuerring
Der Steuerring zählt mit rund 1.100 Beratungsstellen und etwa 400.000 Mitgliedern zu den größten Lohnsteuerhilfevereinen in Deutschland.
Wir suchen bundesweit Steuerfachleute, die sich im Bereich der Lohn- und Einkommensteuer mit einer eigenen Beratungsstelle selbstständig machen möchten.