18.08.2026

Ein Jahr hauptberuflich selbstständig: Die Motivation macht den Unterschied

Giuseppe Borreggine war 36 Jahre lang fest angestellt. Dann hat er sich mit einer eigenen Beratungsstelle beim Steuerring selbstständig gemacht. Seine Bilanz nach dem ersten Jahr: Er würde es wieder tun.

Giuseppe Borreggine, Steuerring-Beratungsstellenleiter in Grenzach-Wyhlen

Giuseppe Borreggine hat den Schritt gewagt: Er hat sein Leben als Angestellter an den Nagel gehängt und sich selbstständig gemacht. Als Berater beim Steuerring ist er jetzt sein eigener Chef. Eigentlich war der Schritt gar nicht so groß – in seine Beratungsstelle läuft er von zuhause gerade mal auf die andere Straßenseite ins Büro, erzählt er lachend. Das erste Jahr als Vollzeit-Selbstständiger liegt jetzt hinter ihm, sein Fazit: „Ich habe nichts bereut. Es braucht ein bisschen Mut, aber man wird belohnt.“ Giuseppes Geschichte vom Mut geht so: 

Als gelernter Steuerfachwirt hat er 36 Jahre in einem Steuerberatungsbüro in Südbaden gearbeitet. Dort hat er viele Firmen betreut und viele „Grenzgänger“, wie man in der Gegend sagt: Angestellte, die in Deutschland wohnen, aber in der Schweiz arbeiten. Das bringt steuerliche Besonderheiten mit sich, die Giuseppe Borreggine zu seinem Spezialgebiet gemacht hat. 

Irgendwann schlich sich bei ihm das Gefühl ein, „genug für andere“ gearbeitet zu haben, erinnert er sich. Sich selbstständig zu machen, war schon länger eine Option für ihn. So begann er zu recherchieren, wie das als Steuerfachwirt gelingen könnte. Er landete schließlich beim Steuerring. Der Bereichsleiter, der für seinen Wohnort Grenzach-Wyhlen zuständig war, in dem sich Borreggine vorstellen konnte, eine Beratungsstelle zu eröffnen, war ihm sympathisch. Außerdem überzeugte ihn das Konzept des Steuerrings: Selbstständig sein, aber auf ein Netzwerk der Unterstützung zurückgreifen zu können. Im Juli 2024 eröffnete Giuseppe Borreggine mit 54 Jahren seine eigene Beratungsstelle. Es war erst mal Selbstständigkeit in Teilzeit – zur Hälfte blieb er noch im Steuerberatungsbüro festangestellt.

„Nach drei Monaten war ich drin“


So ganz geschmeidig wie das jetzt klingt, war es natürlich nicht, gibt er zu. Da waren auch Ängste. Seine größte Angst sei gewesen, mit einer neuen Software zurechtkommen zu müssen. „Wenn man 36 Jahre lang mit einem System gearbeitet hat, kann man sich eine Umstellung kaum vorstellen“, sagt er. Aber er hat es hingekriegt, „nach drei Monaten war ich drin.“ Wie er das geschafft hat? „Learning by doing“, sagt der Steuerexperte. Und es gab Hilfe vom Steuerring: einen Leitfaden zur Nutzung der Software, Seminare und einen Bereichsleiter, der stets zur Stelle war und die Einarbeitung begleitet hat. 

Von Null auf 450


Als Selbstständiger muss man sein eigenes Marketing betreiben. Es ist einer der größten Unterschiede zur Festanstellung. Giuseppe Borreggine hat seine Beratungsstelle eröffnet mit „Null Mitgliedern“, wie er sagt. Er hat einige Anzeigen im lokalen Gemeindeblatt geschaltet und ist aufgrund seiner langen Tätigkeit im Steuerberatungsbüro gut vernetzt. So hat er viele Mandate aus seinem alten Büro in seine neue Steuerring-Beratungsstelle mitgenommen. Ab da wurde das ganze zum Selbstläufer. Borreggine erinnert sich noch an sein erster Beratungsgespräch: Ein früherer Mandant aus dem Steuerberatungsbüro klingelte gemeinsam mit seiner Frau und mit einer Flasche Sekt unter dem Arm an der Tür.  „Das war ein sehr nettes Wiedersehen.“

Er kann sich seine Mitglieder aussuchen


Wer auf der Homepage des Beraters landet, liest im August 2026 einen fettgedruckten Hinweis auf der Startseite: „Diese Beratungsstelle ist ausgelastet und nimmt aktuell leider keine weiteren Neumitglieder auf.“ So sieht also die Bilanz nach einem guten Jahr Selbstständigkeit aus: es läuft. Seit Januar 2025 ist er Vollzeit-Berater, die Festanstellung hat er schnell hinter sich gelassen. Aktuell betreut Giuseppe Borreggine 450 Mitglieder und hat einen Aufnahmestopp verhängt, „mehr geht nicht.“ Inzwischen helfen ihm zwei Mitarbeiterinnen.

Gut leben plus ein bisschen mehr


„Von nichts kommt nichts“ ist eine altbekannte Weisheit, die auch Giuseppe Borreggine im Gespräch zitiert. Denn von selbst stellt sich der Erfolg natürlich nicht ein. Er habe hart gearbeitet im ersten Jahr. Und wenn er erzählt, dass er jetzt versucht, wirklich Acht-Stunden-Tage an fünf Wochentagen einzuhalten, dann hört man zwischen den Zeilen heraus, dass er lange Zeit viel mehr gearbeitet hat. „Das ist mein eigener Anspruch. Ich will das Bestmögliche für die Mitglieder herausholen.“

Die gute Balance zu finden zwischen Arbeit und Freizeit war am Anfang gar nicht so einfach. „Man muss erst mal ein Gefühl dafür kriegen, was man schafft.“ Dafür hat er – ganz Zahlenexperte – eine Rentabilitätsrechnung aufgestellt: „Wie hoch sind meine laufenden Kosten und wie viele Mitglieder benötige ich, um das zu decken?“, war seine Leitfrage. Plus ein bisschen mehr – man will sich ja auch mal was leisten. Schon aus finanzieller Sicht habe sich die Selbstständigkeit gelohnt. „Ich kann gut davon leben und verdiene deutlich mehr als in meiner Festanstellung.“ Außerdem gebe es die Bonusprogramme beim Steuerring, „die funktionieren auch und sind wirklich gut.“

Giuseppe Borreggine

„Ich kann gut davon leben und verdiene deutlich mehr als in meiner Festanstellung.“

Eine langfristige Perspektive


Was nun der größte Unterschied zur Festanstellung sei? „Die Motivation“, sagt Giuseppe Borreggine. Es mache viel mehr Freude, fünf Tage die Woche für „die eigene Tasche zu arbeiten“. Außerdem könne er sich die Zeit flexibel einteilen, wenn mal ein Arztbesuch anstehe oder ein Handwerker komme. Gerade hat er Urlaub gemacht. Zwei Wochen lang ist er mit dem Fahrrad in seine Heimat Apulien gefahren, es war ein langgehegter Traum. Auch das ist zeitlich drin. Allerdings müsse man es sich gut organisieren, meint er. „Im Urlaub verdient man nichts, also muss man ein bisschen vorarbeiten.“ Die Selbstständigkeit hat für ihn noch einen Pluspunkt: Man kann sie über das Rentenalter hinaus ausüben. Borreggine hat auch schon einen Plan: Mit 70 Jahren will er maximal noch drei Beratungstage anbieten. 

Über den Steuerring

Der Steuerring zählt mit rund 1.100 Beratungsstellen und etwa 400.000 Mitgliedern zu den größten Lohnsteuerhilfevereinen in Deutschland.

Wir suchen bundesweit Steuerfachleute, die sich im Bereich der Lohn- und Einkommensteuer mit einer eigenen Beratungsstelle selbstständig machen möchten.

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